09.10.2013

BRK Ostallgäu geht neue Wege in der Ausbildung

Spanische Auszubildende im Pflegeheim St. Martin.

BRK Ostallgäu geht neue Wege in der Ausbildung

Ein anstrengender Tag für Oliver Raul Martinez aus Spanien: Der Grund für seine erste Reise nach Deutschland ist sein Vorstellungsgespräch für eine Ausbildung als Altenpfleger im Seniorenwohn- und Pflegeheim St. Martin in Füssen. Doch obwohl seine Deutschkenntnisse noch eher dürftig sind, läuft es gut für ihn. Auch Dank der einfühlsamen Hilfe seines zukünftigen Arbeitgebers, dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK), Kreisverband Ostallgäu. „Wir wollen zwei unserer Ausbildungsplätze in Füssen an junge Menschen aus Spanien vergeben und sie auf diesem neuen Abschnitt intensiv begleiten“, so Werner Ehrmanntraut, Personalleiter des BRK Ostallgäu.  

Modellprojekt in St. Martin
Den Anstoß für das Modellprojekt beim BRK gab zum einen die demographische Entwicklung in Deutschland. Ehrmanntraut sieht zunehmend Schwierigkeiten auf sich zu kommen, die Ausbildungsplätze mit Jugendlichen aus der Region zu besetzen. Zum anderen finden 55 Prozent der unter 25-jährigen in Spanien keine Arbeit. „Wir wollen spanischen jungen Menschen eine Perspektive auf eine Ausbildung und eine feste Anstellung bieten“, sagt Ehrmanntraut. 

„Meine Familie unterstützt mein Vorhaben nach Deutschland zu gehen, denn in Spanien gibt es keine Arbeit für mich“, beschreibt Martinez seine Situation. Die medizinische Versorgung und damit auch das Arbeitsangebot schrumpfen im rezessionsgeplagten Land dramatisch. Wegen der Wirtschaftskrise heißt es für die Jungen höchstens: Arbeit auf Zeit, schlecht bezahlt, ohne Aussicht auf dauerhafte Beschäftigung. 

Förderung von EU und Bundesarbeitsministerium
Unterstützung erfährt das Projekt des BRK durch das Förderprogramm „MobiPro-EU“ des Bundesarbeitsministeriums. Schwerpunkt dieses Programmes ist die Sprachförderung im Herkunftsland und in Deutschland. Denn häufigstes Hindernis für die Vermittlung ausbildungsinteressierter Jugendlicher aus Europa sind fehlende Deutschsprachkenntnisse. „Zudem bekommen die Jugendlichen über „MobiPro-EU“  finanzielle Hilfen beispielsweise für die Fahrt zum Vorstellungsgespräch“, berichtet Ehrmanntraut.

Die Ausschreibung des BRK Ostallgäu für die dreijährige Ausbildung zum examinierten Altenpfleger läuft über die spanischen Arbeitsagenturen und das spanische Arbeitsministerium. 25 Bewerbungen gingen innerhalb kurzer Zeit beim Personalleiter ein: „Wir wollen im Herbst 2014 je einen spanischen Auszubildenden in den Heimen St. Martin und St. Michael anstellen.“

Pate gesucht
Einrichtungsleiter Peter Hartmann von St. Martin möchte den neuen Arbeitskräften den Einstieg so leicht wie möglich machen. „Wir suchen nach günstigen Wohnmöglichkeiten in Füssen. Am besten wären Personen, die zudem bereit wären, in den ersten Wochen eine Patenfunktion für die Praktikanten zu übernehmen“, so das Anliegen von Hartmann.  Er hofft, dass den jungen Menschen damit die  Integration in die neue Sprache, Ausbildungswelt und Gesellschaft leichter gelingt. 

Martinez wird zunächst ein dreimonatiges Praktikum durchlaufen. Nach einem Sprachlehrgang, wo er das Fachvokabular lernt, wird er die verschiedenen Tätigkeiten im Haus St. Martin kennen lernen. Finanzielle Unterstützung bekommt er während der Praktikumszeit vom BRK sowie über das Förderprogramm „MobiPro-EU“. „Es ist eine tolle Chance für mich, hier die pflegerische Ausbildung zu machen“, steht für  den jungen Spanier nach seinem ersten Rundgang in St. Martin fest. 

Zurück

Zurück